Eine Pfarrei pro Seelsorgeraum
Perspektivisch soll ein Seelsorgeraum in der Regel aus einer Pfarrei bestehen. Das hat vor allem rechtliche und organisatorische Gründe: Wenn es innerhalb eines Seelsorgeraums möglichst nur eine Pfarrei gibt, werden Zuständigkeiten klarer, Entscheidungswege einfacher und Verwaltungsstrukturen schlanker. Der Weg dorthin erfolgt schrittweise; nicht alle Pfarreien werden zu einem Stichtag errichtet. Erste Fusionen von Kirchengemeinden sind ab 2028 vorgesehen.
Der Seelsorgeraum ist die zentrale Bezugsgröße. Er beschreibt einen klar umrissenen Raum, in dem Pastoral, Personal, Verwaltung und Verantwortung neu geordnet werden. Seelsorge soll weiterhin möglichst nah bei möglichst vielen Menschen sein: in Gemeinden, Kirchorten, Einrichtungen, Gruppen, Initiativen und an Orten, an denen Menschen Glauben, Gemeinschaft, Hilfe und Begleitung erfahren.
Dafür sollen im Seelsorgeraum lokale Verantwortungsstrukturen ausgebaut werden – sogenannte Substrukturen. Dort wird das kirchliche Leben vor Ort wie bisher vor allem ehrenamtlich inhaltlich und organisatorisch verantwortet: zum Beispiel für Gottesdienste, Gruppen, soziale Angebote, Einrichtungen, Gebäude oder konkrete Aufgaben am Ort.
Auch die Gremienarbeit wird sich weiterentwickeln. Der Kirchenvorstand und der Rat der Pfarrei werden künftig auf den gesamten Seelsorgeraum blicken, etwa bei Fragen zu Gebäuden, Finanzen, Verwaltung und pastoralen Rahmensetzungen. Zugleich soll Verantwortung vor Ort nicht verloren gehen. Was vor Ort entschieden werden kann, soll auch weiterhin vor Ort entschieden werden. Zu spezifischen Themen und in den lokalen Substrukturen wie den Ortsgemeinden werden Engagierte wie bisher konkrete Aufgaben übernehmen – mit möglichst großem Gestaltungsspielraum, Beauftragung und Budget für das kirchliche Leben vor Ort.
Leitungstrio für jeden Seelsorgeraum
Nach der Übergangszeit soll die Leitung der Seelsorgeräume kooperativ wahrgenommen werden: durch ein Leitungstrio aus Pfarrer, Pastoraler Koordination und Verwaltungsleitung. Damit werden pastorale, administrative und koordinierende Verantwortung enger miteinander verbunden. Die Leitungstrios starten schrittweise in Kohorten und werden in eine enge Zusammenarbeit mit dem Rat der Pfarrei und dem Kirchenvorstand einsteigen.
Das multiprofessionelle Pastoralteam wird perspektivisch auf Ebene des Seelsorgeraums bzw. der dann errichteten Pfarrei agieren. Das bedeutet: Seelsorgerinnen und Seelsorger sowie weitere pastorale Mitarbeitende arbeiten für den gesamten Seelsorgeraum und zugleich stärker zu vereinbarten thematischen Schwerpunkten. Dafür sollen Orte und Angebote klarer profiliert werden und das Zusammenwirken von pastoralem Personal und Engagierten (u.a. an den verlässlichen Orten) weiter abgestimmt werden.
Viele „verlässliche Orte“ und ein „Pastorales Zentrum“
Eine wichtige Rolle spielen dabei „verlässliche Orte“. Das können Kirchen, Einrichtungen, soziale Orte, Gruppen, Verbände, Kitas, Schulen oder andere kirchliche Orte sein. Sie können lokal oder thematisch geprägt sein und hauptberuflich und/oder ehrenamtlich getragen werden. An solchen Orten finden Menschen dauerhaft z.B. Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, Begleitung, Gottesdienste, Gemeinschaft oder Angebote zu wichtigen Lebensthemen.
In jedem Seelsorgeraum wird es außerdem ein „Pastorales Zentrum“ geben. Dort sollen das Pastoralteam und die Verwaltung zukünftig verlässlich erreichbar sein; außerdem sollen dort zentrale pastorale Angebote, Eucharistie, Sakramente und liturgische Vielfalt gebündelt werden.
Um das Engagement vor Ort zu fördern, sollen in jedem Seelsorgeraum Ressourcen für Engagementförderung bereitgestellt werden – etwa durch Investitionen in Begleitung, Qualifizierung, Fortbildung und spirituelle Stärkung. Zudem wird pro Seelsorgeraum eine hauptberufliche/ein hauptberuflicher Engagementförderer zusätzlich eingesetzt werden.
Verwaltung auf Bistumsebene wird neu geordnet
Parallel zur Pastoral wird auch die Verwaltung im Erzbistum Paderborn neu geordnet. Dieser Umbau folgt den Herausforderungen der Pastoral. Wenn Kirche künftig in größeren Seelsorgeräumen arbeitet, wenn Aufgaben komplexer werden und Ehrenamtliche vor Ort entlastet werden sollen, braucht es eine Bistumsverwaltung, die professionell unterstützt.
Deshalb werden Aufgaben wie Friedhofsverwaltung, Beschaffung, Immobilienverwaltung, Liegenschaften und IT neu geordnet und gebündelt. Ziel dieser neuen Bistumsverwaltung ist es, Doppelstrukturen abzubauen, Zuständigkeiten klar zu regeln und die Unterstützung für Kirchengemeinden und Einrichtungen verlässlicher zu machen sowie professionell zu erbringen. Für die Kitas im Erzbistum Paderborn wird eine Kita-Holding gegründet, unter der die drei Kita-gGmbHs zusammenarbeiten.